05.01.2016

...und Sara lachte!

Anmerkungen zu Veränderungen in der Kirche in Anlehnung an den Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner


Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen. Als er sie sah, lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen. Ich will einen Bissen Brot holen und ihr könnt dann nach einer kleinen Stärkung weitergehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen. Sie erwiderten: Tu, wie du gesagt hast…Sie fragten ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben. Sara hörte am Zelteingang hinter seinem Rücken zu. Abraham und Sara waren schon alt; sie waren in die Jahre gekommen. Sara erging es längst nicht mehr, wie es Frauen zu ergehen pflegt. Sara lachte daher still in sich hinein und dachte: Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch das Glück der Liebe erfahren? Auch ist mein Herr doch schon ein alter Mann! Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und sagt: Soll ich wirklich noch Kinder bekommen, obwohl ich so alt bin? Ist beim Herrn etwas unmöglich? Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich wieder zu dir kommen; dann wird Sara einen Sohn haben. Sara leugnete: Ich habe nicht gelacht. Sie hatte nämlich Angst. Er aber sagte: Doch, du hast gelacht. (Gen 18,1-15)

So wird die Ankündigung Gottes erzählt, dass Sara im hohen Alter noch einen Sohn gebären wird. Was hat diese Geschichte mit unserer heutigen kirchlichen Situation zu tun? Gott besucht sinnbildlich durch die drei Männer Abraham und Sara. Über Sara wird berichtet, dass sie alt und unfruchtbar sei, denn ihr erging es längst nicht mehr so, wie Frauen zu ergehen pflegt. Vergleichen Sie die alte Sara einmal mit der heutigen Kirche, ja mit der heutigen Pfarrei St. Josef! Auch die Gemeinden in der Pfarrei sind alt, sind ein bisschen in die Jahre gekommen. Wenn man die Gottesdiensträume und Kirchen betritt, die alten Lieder hört und den Altersdurchschnitt der Besucher schätzt, ahnt und spürt jeder etwas von dem Alter. Die Kirche ist sogar über 2000 Jahre alt. Aber was manchmal viel erdrückender in den Gemeinden erscheint, ist die Tatsache, dass auch hier viel Unfruchtbarkeit wahrgenommen werden kann: Kommunionkinder- und Firmlingszahlen nehmen ab. Nach der Feier der Kommunion und Firmung sieht die Gemeinde viele der Kinder und Jugendlichen nicht mehr wieder. Die ausgeworfene Saat scheint hier und da auf sehr unfruchtbaren Acker gefallen zu sein. Die Verbände und langjährigen Gruppierungen der Gemeinden leiden unter Nachwuchsproblemen und drohen vielleicht sogar auszusterben. Sara war alt und unfruchtbar; St. Josef geht auch nicht besseren Zeiten entgegen.


Doch Gott prophezeit, dass er einem Jahr wieder kommt, dann wird Sara einen Sohn gebären. Als Sara das hörte, lachte sie still in sich hinein. Stellen sie sich vor, den Verbänden und Gruppen, den Gemeinden und vor allem der Jugendarbeit würde prophezeit, dass sie sich in einem Jahr vor Kinder und Jugendlichen, vor neuen Mitgliedern und Interessierten nicht retten könnten! Wie viele würden mindestens in sich hineinschmunzeln und seine solche Erfüllung nicht für möglich halten? Derjenige, der von Gott angekündigt wird, ist der Sohn Issak, was übersetzt soviel wie „das Lachen“ bedeutet. Das Lachen in den Gemeinden begegnet auf vielfältige Art und Weise: im Verspotten, in den Sätzen „Das haben wir immer so gemacht!“ oder „Das brauchst Du erst gar nicht versuchen!“ oder „Wo kommen wir denn da hin, wenn hier jeder was Neues versucht?“ - Ein Aufbruch wird gar nicht mehr für möglich gehalten?
Gott kündigt Isaak an: Eine neue Gestalt von Kirche, die aus der „alten Sara“ hervorgeht.


Isaak wird anders sein als Sara: Vermutlich werden die zukünftigen Gemeinden kleiner sein. Es wird nicht bekannt sein, wie viele dabei sein wollen. Die Kirche und Gemeinde der Zukunft wird mehr eine Kirche der Entschiedenen sein, die nicht mehr davon lebt, dass die Menschen durch volkskirchliche Einflüsse wie selbstverständlich katholisch und Mitglied der Gemeinde sind…
Haben auch Sie Vorstellungen wie die Kirche und Gemeinde der Zukunft aussehen wird? Wie Isaak demnächst sein wird? Glauben auch Sie daran, dass es neue Aufbrüche geben wird, die sich auch schon jetzt hier und da erkennen lassen?

Was ist aber nötig, damit es zur Geburt des Isaak kommen kann? Manche wollen am liebsten die Geburt verhindern, weil ja alles so bleiben soll, wie es ist, und merken gar nicht, dass auch Sara dann ohne Zukunft ist. Andere wiederum sind sehr ungeduldig, weil Isaak so schnell zur Geburt verhelfen wollen, dass sie Sara vergessen, die doch erst neues Leben möglich macht. Hier ist eine sorgfältige „Geburtshilfe“, ja „Hebammenkunst“ von allen gefragt; eine herausfordernde Aufgabe für Seelsorgerinnen und Seelsorger, für Gemeinde- und Pfarrgemeinderäte, für Kirchenvorstände und alle, die guten Willens sind. Sie alle sind übrigens nicht die Herren über das Leben in der Kirche oder Gemeinde. Herr über das Leben bleibt Gott. Und so kann jeder im Vertrauen mitwirken an der Geburt des Isaak und den notwendigen Veränderungen in der Pfarrei.

Vielleicht gelingt es sogar, daran zu glauben, dass Gott in einem Jahr wieder nach St. Josef kommt und Aufbrüche sowie neuen Glauben beobachten kann.

Günter Eilers