04.10.2020

Gedanken zum Erntedankfest 2020

Erntedank 2020 in der Kolpingsfamilie Essen Schönebeck. Diese Erntedankfeier als Video findet Ihr auf youtube unter: https://youtu.be/eKR2spB7LbM

Eingangsgedanken

Das Erntedankfest ist in der christlichen Tradition eng mit dem Schöpfungsgedanken verbunden. Wir danken Gott, unserem Schöpfer, der uns die Welt anvertraut hat mit ihrem unermesslichen Reichtum.

Erntedank verbindet mit dem Dank für die eigene Nahrung auch die Sorge um die Nahrung der anderen Menschen. Es ist ein Fest, das auf die eigene Haltung achten lässt, wie es auch auf die Sorge und die Versorgung der anderen Menschen deutet. Beide Momente miteinander verweisen auf den Herrn der Schöpfung und den Vater aller Menschen. Denn er gibt die Gaben für alle und nicht für Wenige!

Der Landvolkpfarrer Dr. Thomas Dietrich meint:
Erntedank ist für mich das Fest, an dem wir im Buch der Schöpfung lesen. Die Schöpfung ist das große, selbstverständliche Geschenk Gottes an alle Menschen. Darum stelle ich mir diesen Tag als einen Tag des Staunens und der Verbundenheit aller Menschen vor. Wir sind beschenkt und stehen in Verantwortung.

Wir möchten Euch einladen, mit uns zusammen unserem Schöpfer zu danken. Die Texte und Gedanken sind aus dem diesjährigen ´Erntedankheft der Landpastoral Freiburg`, die Lieder findet Ihr im Gotteslob.

Lied GL 140, 1-3
Kommt herbei, singt dem Herrn

Gebet
Gott, du machst uns reich mit deinen Gaben.
Täglich gibst du uns Anteil an dem Wunder deiner Schöpfung.
Durch dein Brot bring uns zusammen – mit den Menschen und mit dir.
Lass unser Leben von Dankbarkeit bestimmt sein, dass wir dich preisen, jetzt und jeden Tag.

Kyrie
Gott, wir essen alle dein Brot, aber wir teilen es nicht so, wie es vor dir recht ist.
Wir beuten deine Erde aus und reißen ihre Güter an uns. Wir hören von Hunger und Elend in der Welt, aber es betrifft uns ja nicht.
GL 157 Herr, erbarme Dich
Und du ernährst uns Jahr um Jahr. Über deinen Gaben vergessen wir dich, deine Güte, deinen Willen und den Dank, der dir gebührt. Lass uns und diese Erde nicht durch unser Handeln oder Nicht-Handeln zugrunde gehen.
GL 157 Herr, erbarme Dich
Vergib uns unsere Verantwortungslosigkeit deiner Schöpfung gegenüber, und hilf uns, die Erde zu bewahren. Vergib uns unsere Bequemlichkeit im Wohlstand, und mach uns bereit, ihn zu teilen und einzusetzen, um Not zu lindern und Gerechtigkeit unter den Menschen zu mehren
GL 157 Herr, erbarme Dich

Schrifttext
Heilung von zehn Aussätzigen LK 17,10-19
Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch Samarien und Galiläa hinzog. Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesundgeworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und er war aus Samarien. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen

Meditation zum Schrifttext
Die zehn Aussätzigen in dieser biblischen Erzählung haben Lepra, eine der schrecklichsten Krankheiten der Vergangenheit. Nicht nur, dass den Erkrankten die Gliedmaßen und Gesichter zerfressen werden, die Aussätzigen werden aus jeder Gemeinschaft ausgeschlossen. Sie bleiben lebenslänglich ausgestoßen, in die Isolation verbannt, ohne Schutz, ohne menschliche Wärme, ohne gutes Wort. „Unrein“ müssen sie rufen, wenn jemand in ihre Nähe kommt. Ein wenig können wir diesen Alptraum vielleicht nachvollziehen, nun, in Zeiten von Corona.

Jesus fragt die Aussätzigen nichts, er hört nur ihren Wunsch: „Erbarme dich unser“. Dieser Wunsch klingt selbstverständlich. Was wünschen sich Menschen mit Krankheit und unter dem Druck der Isolation sehnlicher, als gesund zu werden? Aber hier geschieht mehr als körperliche Heilung.

Menschlichkeit wächst durch den Dank. Der eine Fremde, der umgekehrt ist, zeigt den Zusammenhang auf – den Zusammenhang zwischen dem Wunder, das er an sich erlebt hat und seiner Lebensgeschichte. Er wird offen für das Heil, das von Gott herkommt. Dieser Eine kehrt zu der Quelle zurück, die sein Leben gesegnet hat und segnen wird. „Steh auf“, sagt Jesus am Schluss, „geh hin, dein Glaube hat dir geholfen.“
Das wird nur diesem einen gesagt, der zurückkehrte, um zu danken. Es wird dem gesagt, von dem man es am wenigsten erwartet hätte, denn nach der Auffassung in Israel gehörte er zu den Ungläubigen, zu den Samaritern. Aber er ist der Einzige, der zum Danken zurückgekehrt ist. Auch die neun anderen sind geheilt. Sie haben sich sicher gefreut, dass der Albtraum der Lepra vorbei ist, aber nur der eine zeigt, wem er diese Freude verdankt. Darum sagt Jesus: Dein Glaube hat dir geholfen.
Der Glaube des Samariters ist Grund für ein viel weitergehendes Wunder: das Wunder der Umkehr des ganzen Menschen. Dieser Eine hat den Egoismus überwunden. Er weiß: Das Geschenk der Heilung gilt nicht nur ihm; es gilt einem neuen Leben.

Auch wir haben immer wieder so viel zu danken. Hast du genug zu essen? Hast du eine Familie? Hast du ein Zuhause? Es gibt Kinder und Erwachsene, die haben das alles nicht. All das hat uns Gott geschenkt. Dafür können wir ihm danken.

Abschließend ein Gedanke von dem englischen Philosophen Francis Bacon: „Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Lied
GL 403, 1-3 Nun danket all und bringet Ehr

DANK
D: wie Dinge
Über die Vielzahl der Dinge, die wir besitzen und kaufen können, lässt sich leicht vergessen, dass dies alles nicht selbstverständlich ist. Die Corona-Krise führt uns vor Augen, auf welch dünnem Eis sich unsere Versorgung mit Gütern, mit Lebensnotwendigem, mit scheinbar Selbstverständlichem bewegt.

A: wie All
All steht hier für das Weltall und für die ganze Schöpfung.
Überwältigend, was Gottes Liebe entsprungen ist. Die Welt, die Vielfalt von allem, was ist, von allem Lebendigen – Pflanzen und Tieren, der gewaltige Sternenhimmel über uns.

N: wie Nähe
Nähe steht für Beziehungen. Zwischen Menschen, zwischen Mensch und Umwelt, zwischen Gott und Mensch. Beziehungen sind für uns lebensnotwendig. Menschen, die uns nahestehen, tun uns gut. Eine intakte Umwelt ist unsere Lebensgrundlage. Gottes Nähe tröstet uns und gibt unsHalt. Als Weltgemeinschaft können wir nur gemeinsam überleben oder gar nicht.

K: wie Kinder
Kinder sind unsere Zukunft. Schaffen wir eine Kultur der Dankbarkeit, der Mäßigung, der Achtsamkeit, um die Zukunft für unsere Kinder zu erhalten.

Vater unser

Lied
GL 382, 1-3 Ein Danklied sei dem Herrn

Texte zusammengestellt aus: GESCHENKT, Texte und Bausteine für den Erntedankgottesdienst 2020, www.landpastoral.de

Diese Erntedankfeier als Video findet Ihr auf youtube unter:

https://youtu.be/eKR2spB7LbM

Video und Foto von: Martin Wieser, Essen

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