06.07.2021

Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat

Pfarrer Wolfgang Haberla geht in den Ruhestand

Am letzten Wochenende feierte Pfarrer Wolfgang Haberla zum letzten Male in der St. Josef-Kirche in Essen-Frintrop in seiner offiziellen Funktion Gottesdienste. Der dienstälteste Essener Pfarrer geht in den Ruhestand, nachdem er in der Gemeinde St. Josef, Frintrop, beinahe auf den Tag genau 26 Jahre als Seelsorger gewirkt hatte. Die Tageslesung hatte Pfarrer Wolfgang Haberla bewusst aus dem 4. Kapitel des Petrusbriefes gewählt: „Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“ ist sein Weihespruch vom 16. Mai 1986. Statt einer Predigt verabschiedete sich der beliebte Geistliche mit persönlichen Worten. „Von den 26 Jahren waren 23 sehr schön. Nur die letzten drei nach dem Thesenanschlag von Pastor Brengelmann waren schwer, auch in der Gremienarbeit“, nahm Haberla kein Blatt vor den Mund, wie es zu seinen schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen gekommen war. Er dankte den vielen Ehrenamtlichen in Gemeinde und Pfarrei für viele schöne Momente, Gottesdienste, Kirchenmusik und Events. „St. Josef und Frintrop waren mein Zuhause!“ waren seine Schlussworte mit brechender Stimme. Nach tosendem Applaus gab es Ansprachen und eine kreative Diashow der Messdienerschaft. Essens erster Bürger, Oberbürgermeister Thomas Kufen, selbst Pfarreimitglied, dankte Wolfgang Haberla für dessen Wirken inmitten der Menschen. Und er unterstrich es auch als Stärke, dass Menschen auch öffentlich krank werden können, wenn der Wind der Veränderung zu den bekannten Verwerfungen führe. Kirche sei indes nicht gleich zu setzen mit Kirchbauten, sondern in der Verkündigung. Und gerade hier sei Pfarrer Haberla ein helles Licht. Edeltraut Hülsebusch dankte als stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende dem scheidenden Pfarrer warmherzig und zitierte etwas wehmütig Hermann Hesse „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne.“ Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Gerswida Küppers-Tonner, zitierte in ihren Dankesworten Reinhard Kardinal Marx, der von einem „toten Punkt“ der Kirche gesprochen hatte. Ein solcher sei der Abschied von Pfarrer Haberla gewiss für die Pfarrei, da die Zukunftsperspektiven derzeit offen seien. Die sich abzeichnende Lösung eines innovativen Leitungsmodells ohne Pfarrer durch Laien und Ehrenamtliche lasse noch einige Fragen offen. Die Gewissheit, dass nach dem Tod die Auferstehung stehe, sei ihr zwar bewusst, dennoch blieben auch Sorgen um die Entwicklungen in der Zukunft. Dankbarer Applaus für den Pfarrer und die Redner war nur eine erste Resonanz in der corona-bedingt gut besuchten, aber keinesfalls vollen Pfarrkirche. Vor der denkmalgeschützten Josefskirche ging für den Pensionär eine Rundfahrt im Rikschataxi mit „Sicherheitsdienst“ los. Gruppen, Verbände, Chöre, Ehrenamtliche, Jung und Alt bildeten breites Spalier für den beliebten Seelsorger. Fahnen und Fähnchen, Banner und Bilder markierten eine Schlussrunde um „seine“ Kirche an den Himmelpforten. Angesichts der nebligen Perspektiven für die Pfarrei St. Josef gewinnt das Tagesevangelium besondere Aktualität: Talíta kum! das heißt übersetzt: Ich sage dir, steh auf!

(Arnd Brechmann)

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