19.03.2018

Christsein bleibt keine einfache Angelegenheit

In einer Autorenlesung in der Gemeinde St. Josef erläuterte Generalvikar Klaus Pfeffer seine Motive zu seinem Buch über Dietrich Bonhoeffer und zog Parallelen zu den aktuellen Herausforderungen der Kirche.


In seinem ersten Leben im Sauerland war er Journalist beim "Süderländer Volksfreund". Klaus Pfeffer, geboren in Werdohl, ist heute katholischer Priester und seit November 2012 Generalvikar, mithin alter ego, des Ruhrbischofs Dr. Franz-Josef Overbeck, und damit so etwas wie dessen Geschäftsführer im und für das Bistum Essen. Während seiner Ausbildung zum Priester begegnete er auf ganz ungewöhnliche Weise dem protestantischen Theologen, Widerstandskämpfer und final auch Märtyrer im Dritten Reich, Dietrich Bonhoeffer. Während seines Praktikum in der Krankenhausseelsorge fühlte sich der heute 54jährige immer wieder berührt von Zitaten aus dem weiten literarischen Werk des hoch talentierten Wissenschaftlers. Nach seiner Ausbildung wirkte Klaus Pfeffer unter anderem auch als Kaplan in der damaligen Frintroper Gemeinde St.Josef, wurde nach dem Rücktritt des beliebter Altpfarrers Anton Korth für einige Zeit Pfarradministrator. Nach rund 25 Jahren kehrte Monsignore Pfeffer, so sein kirchlicher Ehrentitel als päpstlicher Ehrenkaplan, zurück an seine damalige Wirkungsstätte. Rund 70 ZuhörerInnen waren der Einladung zu einer Autorenlesung gefolgt, die von der katholischen öffentlichen Bücherei und dem Förderverein St.Josef, Frintrop, ausgerichtet wurde. Klaus Pfeffers Buch "Christsein ist keine einfache Angelegenheit. Mit Dietrich Bonhoeffer auf dem Weg zu einer erneuerten Kirche" war als Programm ausgeschrieben. Pfeffer erläuterte seine persönlichen Themen im Umgang mit dem mutigen Bonhoeffer, dessen letzter überlieferter theologischer Text "Von guten Mächten ", geschrieben in der Gestapohaft im Dezember 1944, weithin bekannt ist. Bonhoeffer hatte in seiner Haft Visionen einer neuen Kirche entwickelt, wie eine solche nach den Verheerungen des zweiten Weltkriegs würde aussehen können. Eine Kirche, die Konfessionen überwindet, die sich von üblichen Räumen befreit, die nah bei den Menschen sein und die vor allem den Kern eines wahren christlichen Glaubens in den Blick nehmen müsse.  Klaus Pfeffer entwickelte im Dialog mit den Zuhörern Parallelen in die heutige Lage der Kirchen immer wieder mit Verweisen auf den Lebenslauf des intellektuellen Vordenkers Bonhoeffer. Ein spannendes und vor allem Ergebnis offenes Zwiegespräch entstand in der knisternden Atmosphäre des Gemeindeheims an der Schlenterstraße. Patentlösungen bot weder Bonhoeffer noch der Generalvikar an. Arnd Brechmann als Vorsitzender des Fördervereins moderierte den Abend und dankte Klaus Pfeffer unter warmen Applaus für einen dreistündigen Dialog, der wie im Fluge vorbei gerauscht sei. Christsein bleibt keine einfache Angelegenheit, so ein Fazit aus Lesung und Debatte. 70 Menschen eng zusammengerückt in einem Gemeindeheim waren vielleicht aber auch schon ein Ausblick auf den Gottesdienst der Zukunft mit Blick auf Demografie, Finanzen und Priestermangel, dem Themendreiklang, der die aktuelle Debatte um das Zukunftsbild des Bistums Essen einrahmt.

Arnd Brechmann  

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